Um nicht immer auf das Schwergewicht Hasselblad beim Portraitshooting angewiesen zu sein, sollte ein Sigma Portraitobjektiv angeschafft werden. Die Wahl fiel dabei auf die Festbrennweite mit 85mm aus der Art-Serie. Nachdem mir von Kollegen nur Positives über die Linse berichtet wurde und auch zahlreiche Testberichte das Objektiv extrem positiv bewerteten, wurde diese vor 3 Wochen kurzerhand bestellt. Voller Freude ging es 2 Tage später auch ans Auspacken und Testen des neu erworbenen Objektivs. Die ersten Eindrücke auf dem Kameradisplay waren durchweg positiv – das Bild war knackscharf, die Farben wurden exzellent abgebildet.

Am Mac in Lightroom dann die Ernüchterung: die Bilder waren alle super-scharf, aber in einer deutlich anderen Schärfeebene, als ich fokussiert hatte. Also stand ein neuer Versuch an. Wieder dasselbe. Auch der Versuch, mit Hilfe des Micro-Adjustments der Kamera noch etwas zu retten, schlug grandios fehl. Bei einer genauen Messung des Fokus kam dann heraus, dass die Fokussierebene bei einem Objektabstand von 3 Metern ca. 1 Meter daneben lag. Zu viel, um mit Micro-Adjustment noch etwas retten zu können.

Das Objektiv wurde daraufhin zurückgeschickt, mit der Bitte, ein Austauschgerät zu erhalten. Das Austauschobjektiv wurde auch 3 Tage später geliefert, allerdings mit demselben Fehler. Seitens des Händlers wurde dann auf das Sigma Dock verwiesen, mit dem dieser Fehler behoben werden konnte. Mal ehrlich: die Kalibrierung eines Objektivs ist ein fester Teil einer Endmontage – diese an den Kunden abzuschieben und dafür noch Geld in Form einer Hardware zu verlangen ist ganz schön dreist.

Gerne hätte ich meine Meinung zu Sigma mit dem 85mm Art-Objektiv revidiert. Leider schafft es der Hersteller auch 20 Jahre nach meiner ersten Negativerfahrung nicht, ein Produkt zu liefern, das den Kunden von Anfang an begeistert. Zum Glück für meine Kunden: Headshots werden auch weiterhin im digitalen Mittelformat mit einer Hasselblad aufgenommen. Es wird also keine qualitativen Abstiche in diesem Bereich geben!

One thought on “Fokussieren (nicht) leichtgemacht

  1. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Nikon und den entsprechenden Objektiven. Im Laufe der letzten Jahre bin ich aber komplett bei den Festbrennweiten (35,50,85,135) zu der Sigma ArtSerie gewechselt.
    Mit dem SigmaDock habe ich innerhalb kurzer Zeit ein Objektiv kalibriert, das dauert wenige Minuten. Dafür habe ich dann jahrelang wunderbare Objektive, die durch Brillanz, Schärfe und in der Offenblende ein Bookeh liefern, das seinesgleichen sucht.
    Wer sich durch die Anfangshürde des Kalibrierens so verschrecken läßt, ist selber schuld.
    Lieber kalibriere ich das Objektiv 100% genau auf meine Kamera anstatt nur 95% Genauigkeit vom Werk zu haben.
    Wer sich vor dem Kauf auch mit den Objektiven von SigmaArt beschäftigt hätte (das Netz gibt genug her), hätte gewusst, dass eine Kalibrierung nötig ist und bräuchte sich dann danach nicht darüber echauffieren. Bei den Zeiss-Objektiven regt sich auch keiner auf, dass man sie manuell fokussieren muss, das mal so als Vergleich 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.